Die komplexen und schnell fortschreitenden Veränderungen der globalisierten Welt erfassen auch mein berufliches Umfeld als Presse- und Reportagefotograf. Ich erlebe den Wandel in meinem Bereich der Fotografie hautnah. Sei es die enorme Bilderflut, das rasante Tempo, oder das ständige Präsent-Sein auf mehreren Kanälen. Dieser Prozess weckt bei mir den Wunsch zum Einfachen und  Elementaren zurückzukehren.

Mit der Lochkamera habe ich das passende Instrument gefunden. Die Schlichtheit und konzeptionelle Langsamkeit dieser Aufnahmetechnik stellt ein Gegenpol zu meinem immer schneller werdenden Arbeitsalltag dar: Der Bildausschnitt kann nur erahnt werden. Die fehlende Linse führt immer zu einer gewissen Unschärfe. Die Belichtung wird mit etwas Erfahrung zur Gefühlssache. Fehlbelichtungen sind Programm. Die oft langen Belichtungszeiten führen zu Bewegungsunschärfe. Mehrfachbelichtungen ermöglichen das Abbilden mehrerer Motive auf demselben Negativ. Die Ergebnisse sind nicht vorhersehbar, dafür umso überraschender. Genau diese Eigenschaften verleihen den Bildern etwas Träumerisches, das an Malerei erinnert.

Ich beabsichtige diesen poetischen Effekt. Geleitet von Intuition, Neugier, und manchmal auch vom Zufall suche ich auf meinen Streifzügen nach Farben, Strukturen und optischen Momentaufnahmen: Nach dem Besonderen im Gewöhnlichen, nach einer Ordnung im Durcheinander, nach der Aesthetik unter der Oberfläche. Ich versuche mich von jeglichen Konzepten und Vorstellungen zu befreien, um Raum für das Unerwartete und Zufällige zu schaffen. Die archaische Kamera dient dabei als Speicher für Licht, Formen und Farben, vielleicht sogar für Feinstoffliches.

Alle hier gezeigten Arbeiten habe ich mit einer Lochkamera (Camera Obscura) aus Holz fotografiert. Das Besondere an dieser Kamera - eigentlich eine kleine Holzschachtel mit einem Schieber für die Belichtung - ist, dass ein Kleinbild-Rollfilm eingelegt werden kann. Dadurch sind mehrere Aufnahmen in Folge möglich. Ich arbeite mit Farbnegativ-Filmen. Die belichteten Filme lasse ich im Fotolabor entwickeln und scanne sie mit einem speziellen Kleinbild-Scanner ein.
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